Co-Parenting über große Entfernung: so gelingt es
Co-Parenting über große Entfernung bringt eine Schicht Komplexität mit, die es vor Ort nicht gibt. Ein Abendessen am Mittwoch geht nicht, wenn drei Bundesländer dazwischenliegen. Wochenenden im Wechsel funktionieren nicht, wenn zwischen den beiden Zuhausen sechs Stunden Fahrt oder ein Flug liegen.
Aber Entfernung muss nicht Entfremdung heißen. Mit dem richtigen Plan, verlässlicher Kommunikation und bewusstem Einsatz von Technik können Eltern über große Entfernung starke, bedeutsame Beziehungen zu ihren Kindern halten.
Betreuungsmodelle über große Entfernung
Die üblichen Wechselmodelle funktionieren über große Entfernungen nicht. Übliche Regelungen bei Entfernung:
Schuljahr / Sommer
Das Kind lebt während des Schuljahres überwiegend bei einem Elternteil und verbringt eine längere Zeit im Sommer (4 bis 8 Wochen) beim anderen. Dazu weitere Zeit in den Ferien (Winter, Frühjahr).
Dafür: kaum Störung der Schule, lange Strecken im Sommer Dagegen: lange Lücken während des Schuljahres
Ferien im Wechsel
Die Schulferien wechseln sich ab: Ein Elternteil bekommt in geraden Jahren Herbst- und Osterferien, der andere Weihnachts- und Sommerferien. In ungeraden Jahren umgekehrt.
Besuche im Monatstakt
Der entfernte Elternteil kommt einmal im Monat für ein Wochenende, oder das Kind reist einmal im Monat (bei älteren Kindern). Teuer, aber es hält den regelmäßigen Kontakt.
Zwischen den Besuchen in Verbindung bleiben
Die Zeit zwischen den Besuchen ist der schwerste Teil. Technik überbrückt die Lücke, aber nur, wenn du sie bewusst einsetzt.
Videoanrufe
- Leg sie fest. Regelmäßige, vorhersehbare Videoanrufe (zum Beispiel jeden Dienstag und Donnerstag um 19 Uhr) werden Teil des Alltags des Kindes.
- Pass sie ans Alter an. Kleinkinder und junge Kinder haben eine kurze Aufmerksamkeitsspanne — 5 bis 10 Minuten sind völlig in Ordnung. Jugendliche telefonieren vielleicht 30 Minuten oder schreiben lieber.
- Macht etwas zusammen. Eine Gutenachtgeschichte lesen, ein Onlinespiel spielen, bei den Hausaufgaben helfen, gleichzeitig dasselbe Rezept kochen. Gemeinsames Tun schlägt Ausfragen.
- Mach sie nicht zur Pflicht. Wenn das Kind mit Freunden oder Hobbys beschäftigt ist, verschieb den Anruf ohne schlechtes Gewissen. Erzwungene Anrufe erzeugen Widerwillen.
Nachrichten
- Bei Schulkindern mit eigenem Gerät hält ein regelmäßiges kurzes Schreiben („Wie war die Arbeit?") die tägliche Verbindung.
- Schick Fotos, lustige Bilder, Sprachnachrichten. Kleine Nachrichten, die sagen: Ich denke an dich.
- Nutz Nachrichten nicht, um über den anderen Haushalt auszufragen.
Kleine Überraschungen
- Schick Päckchen oder Briefe (Post auf Papier fühlt sich in einer digitalen Welt besonders an)
- Bestell den Lieblingssnack nach Hause
- Schick ein Buch mit einer Notiz, es beim nächsten Videoanruf gemeinsam zu lesen
- Legt gemeinsame Playlists an oder schaut „zusammen" dieselbe Serie
Die Rolle des Elternteils vor Ort
Der Elternteil, bei dem das Kind überwiegend lebt, spielt für die Beziehung über die Entfernung eine entscheidende Rolle:
Ermöglich die Anrufe. Sorg dafür, dass das Kind zu den vereinbarten Zeiten erreichbar ist. Richte das Gerät ein, erinner es, und lass ihm dabei seine Ruhe.
Teil, was passiert. Halt den entfernten Elternteil über den gemeinsamen Kalender und regelmäßige Nachrichten auf dem Laufenden. Schulveranstaltungen, Erfolge, lustige Geschichten, Schwierigkeiten — der entfernte Elternteil sollte nicht nach Informationen fragen müssen.
Steh nicht am Tor. Solange es keine Sicherheitsbedenken gibt, sollte das Kind frei und unbeobachtet mit dem anderen Elternteil sprechen können.
Stütz die Beziehung. „Papa hat vorhin angerufen — ruf ihn doch zurück" oder „Schau, was Mama dir geschickt hat" macht deutlich, dass beide Eltern da sind.
Ein gemeinsamer Familienkalender in Homsy hilft dem entfernten Elternteil, über den Alltag Bescheid zu wissen, ohne dass der Elternteil vor Ort an jede Kleinigkeit denken muss.
Besuche zählen lassen
Wenn die gemeinsame Zeit vor Ort knapp ist, zählt ihre Qualität mehr denn je.
Plan nicht zu viel. Der Drang, jeden Besuch mit besonderen Unternehmungen zu füllen, ist verständlich und wirkt gegen sich selbst. Kinder brauchen normale Zeit — herumhängen, Hausaufgaben machen, gemeinsam fernsehen — und kein durchgetaktetes Unterhaltungsprogramm.
Halt auch beim Besuch die Abläufe. Schlafenszeiten, Essenszeiten und eine Grundstruktur sollten es auch in aufregenden Besuchszeiten geben.
Nimm ihre Welt hinein. Lern ihre Freunde kennen, sieh dir die Schule an, geh zu ihren Terminen. Das bringt dich in ihren Alltag, statt Besuche wie eine getrennte Wirklichkeit wirken zu lassen.
Geh sanft mit den Übergängen um. Kinder brauchen zu Beginn und am Ende eines Besuchs oft eine Weile, um sich einzufinden — Vorfreude schlägt in Anhänglichkeit um, oder sie werden vor der Abreise schwierig. Das ist normal. Nimm es an, ohne es reparieren zu wollen.
Die finanzielle Wirklichkeit
Co-Parenting über große Entfernung ist teuer. Die Reisekosten summieren sich schnell:
- Flüge oder lange Fahrten bei jedem Besuch
- Urlaubstage für längere Aufenthalte
- Ein kindgerechtes Zuhause auch dann, wenn das Kind nicht da ist
- Unternehmungen und Ausflüge während der Besuche
Plant diese Kosten ehrlich ein. Manche Vereinbarungen legen fest, wie die Reisekosten geteilt werden. Wenn nicht, gehört das ausdrücklich besprochen.
Rechtliche Punkte
Beim Co-Parenting über große Entfernung geht es oft um:
- Das Vorrecht auf Betreuung. Wenn der überwiegend betreuende Elternteil eine Betreuung braucht, hat der andere Elternteil das erste Recht darauf (auch aus der Ferne lässt sich das manchmal einrichten).
- Regelungen zur Reise. Wie werden die Kosten geteilt? Wer bucht? Welche Papiere sind nötig?
- Alleinreisende Kinder. Fluggesellschaften haben eigene Regeln für Kinder, die allein fliegen.
- Recht auf Kontakt. Viele Regelungen legen eine Mindesthäufigkeit für den Kontakt fest.
Was Kinder hören müssen
Egal wie groß die Entfernung ist, Kinder brauchen:
- „Ich hab dich lieb und ich vermisse dich" (regelmäßig, nicht dramatisch)
- „Das ist nicht deine Schuld" (besonders jüngere Kinder)
- „Du kannst mir alles erzählen" (und zwar so gemeint)
- „Ich bin stolz auf dich" (bleib an ihren Erfolgen dran)
- „Beide Zuhause sind dein echtes Zuhause" (beide Orte gelten lassen)
Häufig gestellte Fragen
Wie bleiben Eltern über große Entfernung mit ihren Kindern verbunden?
Durch regelmäßige, feste Videoanrufe, tägliche kurze Nachrichten (bei Kindern mit eigenem Gerät), überraschende Päckchen, gemeinsame Aktivitäten während der Anrufe (zusammen lesen, spielen) und einen gemeinsamen Kalender, um über den Alltag des Kindes Bescheid zu wissen.
Welches Betreuungsmodell passt am besten zu großer Entfernung?
Am häufigsten ist die Aufteilung Schuljahr / Sommer: Das Kind lebt während der Schulzeit überwiegend bei einem Elternteil und verbringt längere Zeit im Sommer und in den Ferien beim anderen. Besuche im Monatstakt ergänzen die längeren Blöcke, wo es machbar ist.
Wie macht man Co-Parenting über große Entfernung leichter?
Technik bewusst nutzen (feste Videoanrufe, Nachrichten), einen gemeinsamen Kalender führen, damit beide Eltern Bescheid wissen, Besuche mit einer Mischung aus Besonderem und Normalem füllen und die Beziehung des Kindes zum anderen Elternteil aktiv stützen.
Ab welchem Alter dürfen Kinder für Besuche allein fliegen?
Die meisten Fluggesellschaften nehmen allein reisende Kinder ab 5 bis 7 Jahren auf Direktflügen mit (die Regeln unterscheiden sich je Gesellschaft). Viele Eltern fühlen sich bei Direktflügen ab etwa 8 bis 10 Jahren wohl damit und bei Flügen mit Umstieg ab 12. Prüf immer die Regeln deiner Fluggesellschaft und eure eigene Vereinbarung.