Homsy

Faire Aufteilung der Hausarbeit: Was die Forschung sagt

Von Ziggy · Aktualisiert am 5. Sep 2026 · 5 Min. Lesezeit

Die Aufteilung der Hausarbeit gehört zu den am besten untersuchten Themen der Beziehungsforschung, und die Ergebnisse sind einheitlich und unbequem. Trotz Jahrzehnten des Fortschritts bei der Gleichstellung im Beruf bleibt das Zuhause hartnäckig ungleich.

Die Daten zu verstehen heißt nicht, Schuld zu verteilen – es heißt, das Problem klar genug zu sehen, um es zu lösen.

Die Zahlen

Der American Time Use Survey des US Bureau of Labor Statistics erfasst, wie Menschen ihre Stunden verbringen. Die Daten von 2024 zeigen:

  • In Haushalten mit zwei Einkommen verbringen Frauen im Schnitt 2,5 Stunden am Tag mit Hausarbeit, Männer 1,6 Stunden
  • Frauen erledigen in Haushalten mit zwei Einkommen rund 60 % der gesamten Hausarbeit
  • Die Lücke wird deutlich größer, wenn Kinder da sind
  • Frauen übernehmen eher die täglichen Aufgaben (Kochen, Putzen, Kinderbetreuung), Männer eher die gelegentlichen (Gartenarbeit, Reparaturen)

Die aufschlussreichste Lücke liegt aber nicht bei den körperlichen Aufgaben – sondern bei der Denkarbeit.

Die unsichtbare Arbeitslast

Eine 2019 in Sex Roles veröffentlichte Studie führte den Begriff der „kognitiven Hausarbeit“ ein – das Planen, Organisieren, Überwachen und Vorausdenken, das einen Haushalt am Laufen hält. Dazu gehört:

  • Wissen, wann die Kinder neue Schuhe brauchen
  • Im Blick haben, wann Termine anstehen
  • Sich merken, welches Kind welche Allergie hat
  • Die Mahlzeiten für die Woche planen
  • Im Kopf ständig Buch führen über die Vorräte im Haus
  • Die Termine aller Familienmitglieder abstimmen
  • Die Kommunikation mit der Schule und die Formulare erledigen

Die Studie ergab, dass Frauen den weit überwiegenden Teil dieser Denkarbeit tragen, selbst in ansonsten gleichberechtigten Partnerschaften. Entscheidend: Die kognitive Arbeit hing stärker mit Stress in der Beziehung und Erschöpfung zusammen als die körperliche.

Warum die Lücke bleibt

Die Forschung nennt mehrere Gründe:

Erziehung. Frauen lernen von Kindheit an, die Bedürfnisse des Haushalts zu bemerken und darauf zu reagieren. Männer nicht. So entsteht eine „Wahrnehmungslücke“, die sich natürlich anfühlt, aber erlernt ist.

Unterschiedliche Maßstäbe. Partner haben oft verschiedene Schwellen, ab wann es unordentlich ist. Wer Unordnung schlechter aushält, macht am Ende mehr, weil er oder sie sie nicht einfach ignorieren kann.

Kontrolle. Manchmal bestimmt der Partner, der mehr macht, auch, wie Aufgaben erledigt werden – macht die Arbeit des anderen noch einmal oder kritisiert dessen Methode. Das bremst die Beteiligung.

Verzerrte Wahrnehmung. Menschen überschätzen ihren eigenen Beitrag und unterschätzen den des Partners. Beide glauben oft, mehr als die Hälfte zu machen.

Was wirklich funktioniert

Die Forschung zu Paaren, die eine gerechte Aufteilung schaffen, zeigt wiederkehrende Muster:

1. Alles sichtbar machen

Was du nicht siehst, kannst du nicht aufteilen. Die Bestandsaufnahme aller Aufgaben – jede Aufgabe im Haushalt aufschreiben, auch die Denkarbeit – ist der unverzichtbare erste Schritt. Viele Paare berichten, dass schon die Liste alles verändert, weil sie Arbeit zeigt, die vorher unsichtbar war.

2. Klare Zuständigkeit festlegen

Forschung des Gottman Institute bestätigt, dass vage Absprachen („wir kümmern uns beide darum“) zu ungleichen Ergebnissen führen. Jede Aufgabe braucht eine feste Person. Nicht „wir sollten“ – sondern „[Name] übernimmt [konkrete Aufgabe] bis [konkreter Zeitpunkt]“.

Gemeinsame Apps wie Homsy machen Zuständigkeit sichtbar und dauerhaft. Wenn an Aufgaben Namen hängen, verschwindet die Unklarheit.

3. Die Denkarbeit komplett übergeben

Eine körperliche Aufgabe ohne den Denkanteil zu übergeben ist keine vollständige Übergabe. „Du gehst einkaufen“ ist unvollständig, wenn ein Partner weiterhin die Liste schreibt, die Mahlzeiten plant und dem anderen sagt, was er kaufen soll.

Vollständig übergeben heißt: Du übernimmst das Denken, das Planen und das Ausführen. „Du übernimmst die Essensplanung und den Einkauf“ ist eine vollständige Übergabe.

4. Unterschiedliche Maßstäbe akzeptieren

Die Forschung zeigt, dass Paare, die einen akzeptablen Mindeststandard aushandeln (statt den Idealstandard einer Person), ihre Aufteilung eher gerecht halten. Legt für jede Aufgabe fest, was „erledigt“ heißt, und akzeptiert, dass dein Partner es anders angeht als du.

5. Regelmäßig überprüfen

Gerechtigkeit ist kein einmaliges Gespräch. Das Leben ändert sich – die Anforderungen im Job verschieben sich, Kinder werden größer, Jahreszeiten wechseln. Paare, die gerecht bleiben, überprüfen ihre Aufteilung regelmäßig (monatlich oder vierteljährlich) und stellen nach.

Die Wirkung auf die Beziehung

Die Forschung zu den Folgen ist eindeutig:

  • Eine gerechte Aufteilung geht bei beiden Partnern mit höherer Zufriedenheit in der Beziehung einher
  • Paare, die ihre Aufteilung als fair empfinden, haben häufiger und erfüllendere Intimität
  • Kinder aus gerecht organisierten Haushalten entwickeln fortschrittlichere Einstellungen zu Geschlechterrollen
  • Der Partner, der unverhältnismäßig viel Hausarbeit trägt, hat ein höheres Risiko für Depression und Erschöpfung

Faire Aufteilung ist kein Luxus und kein politisches Statement. Sie ist eine Frage der Gesundheit der Beziehung.

Fang hier an

  1. Macht die vollständige Bestandsaufnahme aller Aufgaben gemeinsam
  2. Nehmt die Denkarbeit und die unsichtbaren Aufgaben mit auf die Liste
  3. Legt für jede Aufgabe eine klare Zuständigkeit fest
  4. Richtet ein gemeinsames System ein, in dem alles sichtbar ist
  5. Überprüft es jeden Monat

Häufig gestellte Fragen

Ist die Hausarbeit in den meisten Haushalten gleich verteilt?

Nein. Die Forschung zeigt durchgehend, dass Frauen in Haushalten mit zwei Einkommen etwa 60 % der Hausarbeit erledigen und einen noch größeren Anteil der kognitiven Hausarbeit tragen (Planen, Termine, Bedürfnisse vorausahnen). Die Lücke ist über die Jahrzehnte kleiner geworden, bleibt aber bestehen.

Was ist kognitive Hausarbeit?

Kognitive Hausarbeit ist die Denkarbeit hinter der Haushaltsführung – Mahlzeiten planen, Termine vereinbaren, Bedürfnisse im Blick behalten, wichtige Daten erinnern, Termine abstimmen und Probleme vorausahnen. Die Forschung zeigt, dass sie stärker mit Erschöpfung zusammenhängt als körperliche Aufgaben und überwiegend von Frauen getragen wird.

Wie spreche ich mit meinem Partner über ungleich verteilte Hausarbeit?

Fang mit Daten an, nicht mit Vorwürfen. Macht gemeinsam eine Bestandsaufnahme, in der jede Aufgabe im Haushalt steht und wer sie derzeit übernimmt. Die sichtbare Verteilung spricht meist für sich. Konzentriert euch darauf, gemeinsam ein System aufzubauen, statt vergangenes Verhalten zu kritisieren.

Verbessert eine gleiche Aufteilung der Hausarbeit die Beziehung?

Ja. Mehrere Studien zeigen, dass eine als fair empfundene Aufteilung der Hausarbeit mit höherer Zufriedenheit in der Beziehung, besserer Kommunikation und häufigerer Intimität einhergeht. Das Schlüsselwort ist „empfunden“ – entscheidend ist, dass beide Partner die Aufteilung als fair erleben, nicht dass sie rechnerisch identisch ist.

Weiterlesen